UNIVERZITA PALACKÉHO Křížkovského 10, 77180 Olomouc Tschechische Republik

Geschichte der Arbeitsstelle

Der Lehrstuhl für Germanistik der Philosophischen Fakultät der Palacky-Universität in Olmütz besteht ohne Unterbrechung seit der Neugründung der Universität 1946; seine Lehrer (Trost, Vaclavek, Chytil) beteiligten sich in den 50er Jahren ebenfalls an den (Neu)Gründungen von weiteren Germanistiken im Lande (Brünn, Prešov, Aussig). Auch in den dunklen Zeiten der sog. Normalisierung der 70er und 80er Jahre, als die meisten tschechischen Germanisten mit Lehr-, Berufs- und Publikationsverbot belegt oder im Ausland exiliert waren, bemühten sich die Olmützer Germanisten, die germanistische Wissenschaft hier nicht zu einer ideologisierten, bloßen Sprachausbildung für künftige Deutschlehrer verkümmern zu lassen.

Nach 1989 durchmachte der Lehrstuhl eine dynamische Entwicklung: die Organisation des Studiums wurde demokratisiert, die Lehrpläne den deutschen und österreichischen Lehrplänen angepasst, der Lehrstuhl um neue Lehrkräfte bereichert und einer vergrößerten Zahl von Studenten zugänglich gemacht. In der Gegenwart bildet der Lehrstuhl ca. 300 Studierende im fünfjährigen Magisterstudium der Germanistik (jeweils in Kombination mit einem Nebenfach) und ca. 30 Studenten des Doktoratsstudiums aus - und ist somit die größte wissenschaftliche Germanistik im Lande.

Die wissenschaftliche Profilierung des Lehrstuhls basiert auf reichen Traditionen der böhmischen Germanistik (sowohl der tschechischen als auch der deutschen), deren genuine Aufgabe es ist, die deutschsprachige Literatur des eigenen Territoriums zu untersuchen. Die 1997 gegründete Arbeitsstelle für deutschmährische Literatur, beschäftigt sich mit dem Auffinden, Sichten und Sammeln der in mährischen, tschechischen aber auch österreichischen und deutschen Archiven und privaten Sammlungen befindlichen Quellen zur Geschichte der deutschgeschriebenen Literatur aus dem mährischen Raum; mit der computertechnischen Erfassung des vorhandenen und ausgewerteten Materials; mit der Erstellung einer umfassenden Datenbank der deutschmährischen Autoren (Datenbank); mit der literaturwissenschaftlichen Auswertung des gewonnenen Materials in Form von lexikographischen Publikationen, Monographien zu einzelnen Autoren und Themen, Reeditionen interessanter Werke sowie Formulieren spezieller Forschungsprojekte. Die Arbeitsstelle will alle auf diesem Gebiet tätigen Wissenschaftler zusammenführen und will Möglichkeiten wissenschaftlichen Austausches bei gemeinsamen Konferenzen, Tagungen und Projekten bieten. Im Laufe der 8 Jahre ihres Bestehens knüpfte die Arbeitsstelle ein dichtes Netz von internationalen Partnerschaften (Partnerschaft), veranstaltete 10 wissenschaftliche Konferenzen (Veranstaltungen), gab 11 selbständige Publikationen (Veröffentlichungen) heraus, betreute mehrere Magister- und Doktorarbeiten mit „mährischen Themen“ (Magister- und Doktorarbeiten).

Die Arbeitsstelle führte zwei vom tschechischen Schulministerium (Grantova agentura) finanzierte Projekte durch (1999-2002 und 2003-2005), beteiligte sich am Forschungsprojekt der Philosophischen Fakultät der PU („Morava“ 1999-2004) und an partnerschaftlichen Projekten mit deutschen und österreichischen Institutionen (Partnerschaft).

Als Anerkennung der bisherigen Leistungen und zur Unterstützung weiterer Aktivitäten auf diesem Feld wurde im Februar 2003 im Olmützer Lehrstuhl die einzige BKM-Stiftungsprofessur außerhalb Deutschlands installiert. Der Aufgabenbereich des Stiftungsprofessors deckt sich zum Teil mit dem Aufgabenbereich der Arbeitsstelle, erweitert ihn aber sowohl in territorialer Hinsicht als auch in Richtung „Kulturpolitik“.

Die Arbeitsstelle besteht aus drei „erwachsenen Wissenschaftlern“, Prof. Ludvík Václavek, Prof. Ingeborg Fiala-Fürst und Prof. Krappmann und außerdem aus 20 bis 40 Studenten verschiedener Studienabschnitte. Diese Zusammensetzung des Forscher-Teams garantiert einerseits die – für Universitäten typische – Ausbildung im Forschungsprozess: unter der Ägide der Arbeitsstelle publizieren die Studenten und Doktoranden ihre ersten wissenschaftlichen Arbeiten, lernen schrittweise die Methoden und Wege wissenschaftlichen Arbeitens - garantiert aber andererseits eine hohe Dynamik des Arbeitens und einen jugendlichen Elan in der Forschung und allgemein eine „fröhliche Wissenschaft“.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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